Eigenleistung: Hausbau durch eigene Arbeitskraft vergünstigen

Das eigene Zuhause ist für viele Menschen die größte und teuerste Investition ihres Lebens. Aber dennoch ein Kapitaleinsatz, für den sich Deutsche immer wieder gern entscheiden. Schließlich ist das Traumhaus in der Regel eine langfristige Anschaffung. Trotzdem sind wohl fast alle Bauherren daran interessiert, Sparpotentiale auszuschöpfen. Um ihre Kosten zu senken, werden zukünftige Hausbesitzer durchaus kreativ. An erster Stelle steht jedoch die Eigenleistung. Hausbau und Immobilienerwerb können auf diese Weise deutlich günstiger werden. Doch auch hier gibt es Fallstricke, auf die man achten sollte.

Eigenleistung: Eigenkapital durch eigene Arbeitskraft aufbessern

Vor allem früher war es nicht ungewöhnlich, beim eigenen Hausbau tatkräftig mit anzupacken oder den Neubau sogar gänzlich in Eigenregie in Angriff zu nehmen. Doch natürlich erfordert dies nicht nur ein mehr oder weniger großes handwerkliches Geschick, sondern bedeutet auch einen hohen zeitlichen Aufwand. Wohl deshalb hat die Bedeutung der umgangssprachlich als Muskelhypothek bezeichneten Eigenleistung am Bau mittlerweile etwas abgenommen. Doch auch heute noch kann sie für Bauherren eine große Rolle spielen. Wer Eigenleistung beim Hausbau bringt, kann Kosten sparen und benötigt unter Umständen sogar entsprechend weniger Eigenkapital.

Eigenleistung Hausbau: Wo und wieviel kann man sparen?

Eigenleistung statt Eigenkapital: Klingt vielversprechend? Wer mit dem Gedanken spielt, seine Baukosten durch die eigene Arbeitskraft zu senken, sollte dies genau durchdenken. Die Frage, wieviel man selbst tatsächlich leisten kann, sollte realistisch beantwortet werden – sowohl was die verfügbare Zeit neben Beruf und anderen Verpflichtungen betrifft, aber auch bezüglich des eigenen handwerklichen Könnens. Wer sich auf tatkräftige Familienmitglieder und Freunde verlassen kann, sollte sich auch bei diesen erkundigen, welche Aufgaben sie übernehmen können und wie viel Zeit sie für die Baustelle erübrigen können.

Aufgaben beim Hausbau: Wann Eigenleistung aktivieren?

Nicht jede Aufgabe eignet sich für Heimwerker. Auch hier gilt es, sich selbst beziehungsweise die freiwilligen Helfer gut genug einzuschätzen. Wer keinerlei bautechnische Kenntnisse hat, kann beispielsweise den Garten selbst anlegen und hier Geld sparen. Auch Streichen und Tapezieren oder der Einbau der Fußbodenbeläge sind oft Aufgaben, die auch für Unerfahrene relativ leicht zu bewältigen sind. Anspruchsvoller ist dagegen zum Beispiel der Dachausbau oder das Einsetzen der Zimmertüren.

Aufgaben, die Kenntnis von Bauvorschriften und Regelwerken verlangen beziehungsweise ein spezielles Fachwissen voraussetzen, wie beispielsweise Klempnerarbeiten oder Sanitär-, Heizungs- oder Elektroinstallation, sollten lieber in die Hände von Fachleuten gegeben werden. Zu hoch ist hier meist das Risiko einer fehlerhaften oder sehr zeitraubenden Umsetzung.

Eigenleistung Hausbau: Berechnen des Sparpotentials

Eigenleistung am Haus muss gut geplant werden. Wie viel Zeit kann aufgewendet werden? Welche Arbeiten kommen überhaupt in Frage? Ist dies geklärt, kann das persönliche Sparpotential ermittelt werden. Auf Basis von Preislisten für Materialien oder Geräte bzw. dem Stundenlohn verschiedener Handwerker kann man den Wert der Eigenleistung berechnen. Stundensatz der Handwerker und Materialkosten kann man oft relativ einfach über das Internet ermitteln. Je genauer die Recherche, desto exakter und zuverlässiger lassen sich mögliche Ersparnisse durch Eigenleistung vorhersagen.

Laut einer Umfrage des Bauherren-Schutzbundes e. V. können 13 % der privaten Bauherren Eigenleistung im Wert von mehr als 25.000 € erbringen. 11 % sparten bis zu 25.000 €, 25 % bis zu 15.000 €. 33 % erledigten Arbeit im Wert von bis zu 10.000 € selbst, während 18 % immerhin bis zu 5.000 € einsparen konnten.

Beispiel Eigenleistung Hausbau: Tabelle als Anhaltspunkt

Wenn der mögliche Zeitaufwand ermittelt wurde, kann man den Wert der Eigenleistung berechnen. Dieser hängt vor allem von der individuellen Wunschimmobilie ab. Größe, Lage und für einen Nicht-Fachmann in Frage kommende Aufgaben spielen bei der Werteinschätzung der Eigenleistung eine große Rolle. Ein Beispiel: Wer sich für eine teurere Lage wie etwa München entschieden hat, muss beim Hausbau grundsätzlich mit höheren Preisen rechnen als beim Bau einer vergleichbaren Immobilie in einer günstigeren Lage. Gleichzeitig sorgt dies aber auch oft für einen höheren Wert der Eigenleistung. Stundensatz ortsansässiger Handwerker ist in der Regel angepasst. Insofern gibt es leider keine pauschale Antwort auf die Frage, wie viel man mit Eigenleistung sparen kann.

Folgendes Beispiel des Verbandes Privater Bauherren e. V. soll einen Einblick in das Sparpotential durch Eigenleistung geben. Die Ausgangssituation ist dabei ein Reihenhaus in der Region München, bestehend aus drei Etagen inklusive Keller und mit einer Wohnfläche von 140 Quadratmetern. Die Baukosten betragen 275.000 Euro:

Gesamtsparvolumen: 25.000 Euro
Gesamtzeitaufwand: 850 Stunden

Wichtigste Einzelaufgaben
Sparvolumen
Zeitaufwand
Maler- und Tapezierarbeiten
7.800 €
190 Stunden
Dachausbau und -dämmung
5.400 €
130 Stunden
Fliesen verlegen
4.200 €
100 Stunden
Einbau Fußbodenbeläge
3.900 €
90 Stunden
Gartenanlage
2.200 €
45 Stunden
Zimmtüren einsetzen
1.000 €
20 Stunden

Quelle: Verband Privater Bauherren VPB

Eigenleistung Hausbau: Chancen und Risiken

Günstiger Hausbau durch Eigenleistung? Eigenkapital sparen und trotzdem geringeren Immobilienkredit aufnehmen? Das klingt für die meisten Bauherren wohl mehr als attraktiv. Der klare Vorteil von Eigenleistung liegt auf der Hand. Der persönliche Arbeitseinsatz spart Geld. Zudem kann man sogar noch fehlendes Eigenkapital durch Eigenleistung ausgleichen. Wer dies in seine Immobilienfinanzierung einplant, kann durchaus viel Geld sparen. Doch wie bei den meisten Dinge gibt es auch beim Thema Eigenleistung nicht nur Vorteile, sondern auch Risiken, auf die man achten sollte:

  • Hohes Projekt- und Kostenrisiko: Bauherren, die ihren Hausbau in (teilweiser) Eigenregie managen, tragen eine höhere Verantwortung als zukünftige Hausbesitzer, die den Bau ihres Eigenheims in fremde Hände geben.
  • Qualitätssicherung: Die erbrachte Eigenleistung sollte immer noch einmal von einem Fachmann überprüft werden, um spätere unschöne Überraschungen zu vermeiden.
  • Zeitfaktor: Ein Hausbau ist in der Regel zeitlich streng durchstrukturiert. Wer eine bestimmte Eigenleistung fest einplant, diese aber nicht zum erwarteten Zeitpunkt erbringen kann, gerät schnell unter Zeitdruck und verliert hier unter Umständen viel Geld.
  • Überschätzung der eigenen Möglichkeiten/Fähigkeiten: Noch einmal – es ist enorm wichtig, die mögliche Eigenleistung realistisch einzuschätzen. Wer seine Zeit oder seine Fähigkeiten überschätzt, aber in seinem Kredit eingeplant hat, steht schnell vor einer Finanzierungslücke.
  • Gewährleistung: Wer Eigenleistung erbringt, muss damit rechnen, dass Baufirmen keinerlei Gewährleistung für diese Arbeit oder aber für Folgeschäden übernehmen. Um rechtliche Risiken zu vermeiden, sollte man darauf achten, klare vertragliche Regelungen zu treffen.

Eigenleistung: Versicherung zum Schutz der Bauhelfer

Wer nicht nur selbst auf der Baustelle werkelt, sondern sich über die Hilfe von Freunden und Familie freuen kann, sollte sich an erster Stelle um die eigene Sicherheit und die der freiwilligen Helfer kümmern. Schließlich ist die Arbeit auf einer Baustelle keineswegs immer ungefährlich. Zunächst müssen die privaten Helfer zwingend bei der Berufsgenossenschaft (BG BAU) angemeldet werden. Zusätzlich sollte man eine private Bauhelferversicherung in Erwägung ziehen. Der Bauherr selbst sowie sein Ehegatte beziehungsweise Lebenspartner sind von der Versicherungspflicht durch die BG BAU ausgenommen, sollten sich allerdings um einen privaten Unfallschutz bemühen.

Eigenleistung: Baufinanzierung klug planen

Wer beim Hausbau selbst anpacken möchte, kann viel Geld sparen. Doch er lässt sich auch auf etliche Risiken ein. Um Fallstricke zu umgehen und auch langfristig mit dem Eigenheim glücklich zu werden, müssen vor allem zwei Punkte realistisch eingeschätzt werden: das eigene Know-how und der mögliche Zeitaufwand. Am besten ist es, den Wunsch nach Eigenleistung bereits zu Beginn der Planungsphase mit verantwortlichen Experten wie dem Architekten zu besprechen. Dieser kann sowohl Tipps zu in Frage kommenden Aufgaben geben als auch dabei helfen, die Eigenleistung wirklichkeitsnah einzuplanen.

Im Zweifel kann es vernünftiger sein, bei der Planung der Baufinanzierung lieber zu wenig als zu viel Eigenleistung einzurechnen. Experten empfehlen den meisten Bauherren ohnehin, die Eigenleistung auf fünf bis zehn Prozent der Gesamtkosten zu beschränken. So ist man auf der sicheren Seite und kommt weder zeitlich noch finanziell in die Bredouille, falls es zu unvorhergesehenen Ausfällen oder Verzögerungen kommt. Angebote für eine günstige Finanzierung findet man am besten über einen Baufinanzierungsvergleich.